Masters WM Pavullo nel Frignano It, 17.10.2010

Die wenigsten Leser wissen wohl, wo dieses verschlafene Städtchen am Fusse des Apennin liegt, ca 30 km südlich der Aceto Hochburg Modena und der Ferrari-Schmiede Maranello, sozusagen im Herzen Italiens, wie der schön dekorierte Bürgermeister an der Eröffnungsfeier stolz verkündete!

Bei der Anfahrt Richtung Pavullo staunten wir nicht schlecht, als es plötzlich einer Passstrasse gleich anstieg, bei Modena noch angenehme 20 Grad, auf dem Hochplateau von Pavullo nur noch 12 Grad, aber immerhin noch freundliches Wetter. Die Aussichten liessen allerdings für den Renntag ungutes vermuten: Regen und 5-6 Grad!
Kein Wunder, gilt doch die Region als Wintersportort mit diversen Liften und sogar einer Kunststoffpiste für Langläufer…! Ich hatte aber Inlines dabei und keine Langlaufskis!

An eine Streckenbesichtigung mit den Skates war nicht zu denken, viel zu viel Verkehr, 2 Kreisel, vorbei an einem grossen Einkaufszentrum und keine Trottoirs (fast amerikanische Verhältnisse!), hier nimmt man den Cinquecento zum Einkaufen und Cappuccino schlürfen….
Deshalb machten wir uns zu Fuss auf die Runde und hatten dadurch mehr Zeit, die diversen zum Teil recht stark drehenden Kurven, die Kreisel, die beiden Steigungen und die Zielkurve zu studieren. Besonders die Zielkurve machte mir Sorgen: Kurze Abfahrt, Schachtdeckel, Löcher, Spitzkehre und nur noch 50m bis zur Ziellinie. Wenn ich da nicht allein ankomme, sinken meine Chancen auf Null…!

Zum eigentlichen Event nur so viel: Die Wetterfrösche Italiens trafen leider mit Ihrer Prognose ins Schwarze, Bindfadenregen, 6 Grad und windig!
Dank dem superschnellen Abschlusstraining mit Chlöisu auf der Piste, der professionellen Massage in Ueli Gerbers Trainingsstudio, der sicheren und gemütlichen Fahrt mit meinem Sohn Simon als Pilot, hatte ich von Beginn weg gute Beine, auf der pflotschnassen, mit tiefen Pfützen übersäten Strasse erstaunlich guten Grip und in den kurzen Steigungen den besten Druck drauf, irgendwann werde wohl auch ich noch lernen mit glitschigen Strassen klar zu kommen. Der Respekt vor Presti, Bauer und Co. wurde immer kleiner, bis eben die negativen Ereignisse ihren Anfang nahmen und den Ausgang des Rennens signifikant beeinflussten:

Bei der Ueberrundung durch die M30 in der 5. Runde griff Presti an und hängte sich am Ende der M30 rein, gefolgt von Bauer (D) und Lota’ (It)! Ein kurzes zögern bei Roger, mir sowie einem der drei starken Franzosen – und weg waren sie…! Jedermann in der Szene weiss, dass das ganz klar nicht erlaubt ist. Keine Schiedsrichter, keine Interventionen!
Damit war eigentlich für mich das Rennen gelaufen! Weil ich jedoch weiss, dass ein Rennen erst im Ziel entschieden wird, versuchten Krainz (D), Roger und ich das Tempo hochzuhalten und mit Anstand zu Ende zu fahren.

Es kam noch Besser: Am Ende der 10. und vorletzten Runde hielt Lota an und lief erst weiter, als wir die Zieldurchfahrt passierten, „erwischte“ eine Abkürzung und lief als Sieger ins Ziel….?! Unglaublich!
Hinten hatte ich die Verfolgergruppe im Griff – bis zur letzten Kurve…..(siehe oben!)
Daraus folgt: Hätte ich um den 4. Platz bis zur Ziellinie gekämpft, würde bei erfolgreichem Protest noch Bronce drinliegen! (Man hat auch im Alter noch nicht ausgelernt!)

Wenn bei den „gestandenen“ Mannen über 60 mit unfairen Mitteln oder sogar Betrug versucht wird, aufs Treppchen zu steigen ist das doch eher lächerlich und ein bisschen peinlich? Wen interessiert das schon! Der Griff zu verbotenen Mittelchen ist da nicht mehr weit!
Weil schon in Damp die Deutschen und nun die Italiener in Italien mit unsportlichen Methoden ungeandet den Erfolg anstreben können, sei mir die Frage erlaubt, ob ich künftig an solchen Veranstaltungen überhaupt noch teilnehmen soll?

Roger als Mitglied des SRV-Vorstandes hat einen sauberen Protest in der Landessprache verfasst und mit Unterschriften ehemaliger und aktueller Medalliengewinner der Wettkampfleitung zugestellt. Wir sind gespannt, aber nicht sehr zuversichtlich.

Nun freue ich mich auf den Winter, solche Spielchen gibt es bei den Langläufern (noch) nicht! Kurze Erholungspause, Kopf von negativen Gefühlen befreien und ab auf die Loipen!
Ob ich im nächsten Jahr die Skates wieder hervorholen werde, steht noch in den Wolken! Es ist an der Zeit, mich in einer anderen Sportart zu versuchen!

Paul G. aus G

PS: Falls jemand italienisch kann, hänge ich den Protest von Roger auch noch ins Web.

WMC2010_Protesta

1 Kommentar zu „Masters WM Pavullo nel Frignano It, 17.10.2010“

  • Ich gebe den Kommentar zu den Vorfällen in Pavullo gleich selber:
    Die Schweizerathleten sind im internationalen Vergleich bis auf ganz wenige Ausnahmen zu brav, zu wenig frech, haben zuwenig Selbstvertrauen und sind zu bescheiden!
    Je kleiner der Stellenwert der Veranstaltung, desto geringer sind die Bemühungen, die Reglemente durchzusetzen.
    Ergo bleiben uns bei Inline Masters Meisterschaften nur drei Möglichkeiten:
    – Entweder boykottieren wir künftig solche Events;
    oder
    – Laufen weiterhin brav hinterher und protestieren erfolglos im Nach-
    hinein;
    oder
    – Wir machen mit bei diesen Spielchen, verkaufen unsere Haut so teuer
    wie möglich und erfinden selbst Methoden, um zum Erfolg zu kommen,
    koste es was es wolle;
    Ich überlasse es dem geneigten Leser, die passende Möglichkeit zu
    wählen!

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